Das große Wohnzimmer der Wiener DnB-Heads ist wohl das Flex. Und wie sich das gehört gibt es da auch so einen „guy on the couch“. Keiner kennt ihn, aber er ist immer da. Sogar auf StudiVZ fragt sich eine Gruppe von knapp 1.700 Leuten: „Who is Mr. Flex?“ Wir haben ihn gefragt.

Zuerst die Basics: Der gute Herr heißt Gerald Jaksch, er feiert dieses Jahr seinen 60er und ist Bewegungs- und Tanzanimator. Außerdem beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Wasser und Bewegungsenergie, hält hierzu Vorträge und Seminare, realisiert Kunstprojekte – z.B. eine Anlage im “Park der Ruhe und Kraft” am Wiener Zentralfriedhof – und ist Vater zweier Teenager.

R: Was treibt dich jeden Abend wieder ins Flex?
Mr. Flex: Ich mache das ja beruflich. Momentan bin ich etwa 20 Wochenstunden da. Früher, in der Hochphase, habe ich teilweise auch sechs Tage gemacht. Das Flex hat sich für uns als sehr günstig erwiesen. Da können von allen Instituten interessierte Leute oder Gruppen vorbeikommen und mal reinschnuppern oder mitmachen.

R: Das klingt ja mehr nach Arbeit als nach reinem Vergnügen.
Mr. Flex: Ja. Es ist Arbeit. Schließlich bekomme ich auch Fördergelder dafür was ich hier mache. “Die Energiebewegung im Öffentlichen Bewusstsein verankern” heißt das offiziell.
Klar kann man das hier nicht als Unterricht bezeichnen, denn es gelingt bei der Lautstärke nicht, Informationen zu vermitteln. Aber man kann mitspüren und beobachten – das reicht oft schon als Kick für die eigene Entwicklung.

R: Du hast einen sehr auffälligen Tanzstil…
Mr. Flex: Das ergibt sich aus den Gesetzmäßigkeiten der Naturbewegung. Ich habe einen sehr langen Hintergrund – einen fast 30-jährigen Werdegang und ich bin hier eigentlich sehr zufällig rein gekommen. Ich komme ja vom Wasser. Vom lebendigen Wasser. Wasser und Lebensbewegung ist einer meiner Hintergründe. Mein Spezialgebiet sind so genannte Herzwasserschalen – eine Erfindung oder Entdeckung von John Wilkes, der auch mein Lehrer war. Er hat entdeckt dass Wasser, wenn man ihm einen geeigneten Raum bietet, zu pulsieren beginnt. Nachdem ich mich Jahrzehnte mit solchen Dingen beschäftigt hatte, war es ein relativ kleiner Schritt, das auch in die Energiearbeit im eigenen Körper umzusetzen. Schon Mitte der 90er hat sich der Lehrbetrieb stark gewandelt und man ist vom Frontalunterricht abgekommen und hat mehr mit Körpererfahrung gearbeitet…

R: Lehrbetrieb? Es gibt ja das Gerücht, dass du Professor auf der BoKu bist.
Mr. Flex: Nein – Professor bin ich nicht. Hauptsächlich arbeite ich als Dozent an Privathochschulen im Goethe- bzw. Geomandiebereich. Auf der BoKu hatte ich nur eine Gast- und Vorreiterrolle. Aber die Idee die Naturbewegung auf der öffentlichen Tanzfläche zu installieren wurde dort geboren. Die grundlegende Forschungs- und Entwicklungsarbeit fand über 20 Jahre am Polycollege Stöbergasse statt. Viele BoKu-Studenten nahmen dort an den Kursen und Ausbildungen “Einführung in Lebendiges Wasser und geniale Bewegung” teil.

R: Wenn deine Arbeit einen Namen fürs Vorlesungsverzeichnis bräuchte, wie würdest du dein „Fach“ nennen?
Mr. Flex: Erst mal wäre es sicher eine praktische Übung. Wahrnehmung und Ganzkörpererfahrung sind zwei wichtige Begriffe. Vielleicht “Bewegungsenergie erkennen und steuern lernen”? Es geht darum, dass man hier ein Energiefeld aufbaut und mal spürt, wie sich das anfühlt.
Die TänzerInnen können sich in diesem Energiefeld öffnen. Eine Steigerung der Bewegungs- und/oder Gestaltungskraft findet statt. Dafür gibt es klare Bioindikatoren. Im Bereich der Lebensenergie gibt es dafür die so genannte Bovis-Skala.

R: Du schöpfst also auch Kraft aus den Abenden im Flex?
Mr. Flex: Ja, aber in erster Linie ist das Kraft für alle. Das ist schon immer ein Gemeinschafts- oder Gruppenwerk. Alleine könnte ich da gar nichts machen. Oft ist es auch gar nicht so einfach. Von meinen Kollegen würde sich wohl niemand trauen sich hier so herzustellen… Das ist ja immer live. Es wird immer neu geschaffen. Es gibt kein Programm. Wie in den meisten Selbsterfahrungsbereichen ist diese Absichtslosigkeit hier auch Grundvoraussetzung. Nur so können diese Energien entstehen.

R: Wissen die Leute wovon sie dann Teil sind?
Mr. Flex: Nein. Die meisten glauben, dass das alles unbewusst passiert. Natürlich gibt es ein paar, die Grundbegriffe mitbringen können, da sie schon mal Yoga oder Tai Chi gemacht haben, die Energiewirbelsäule des Menschen oder die Chakren kennen, aber das sind bloß ein paar Prozent. Das Schöne ist ja, dass man sich auch ohne viel zu wissen, ganz instinktiv, darauf einlassen kann. Damit dass das so gut funktioniert habe ich selbst nicht gerechnet. Aber es funktioniert. Es ist auch ein Fortschritt da. Ich merke z.B sofort, wenn ein Mädchen schon länger dabei ist. Das reift.

R: Mädchen?
Mr. Flex: Frauen sind auf diesem Gebiet interessanterweise viel intuitiver und bereit sich voll einzusetzen. Männer haben da mehr Schwierigkeiten. Die leiden alle an vorgefertigten Mustern. Das geht soweit, dass manche, wie unter einer Hülle, gar nicht merken, dass sich drei wunderschöne Frauen um ihn herum ganz anders bewegen. So genannte Kondomtänzer.

R: Du bist ja zu allen Tagen und Musikstilen da. Wie erlebst du Drum’n’Bass?
Mr. Flex: Der Donnerstag ist härter, aber dafür ist es umso schöner wenn man sich trotz dieser Härte da reinfließen kann. Das bringt dann wesentlich mehr als so ein sanfter Abend.
Drum’n’Bass eignet sich vor allem für große Hallen. Das ist so ein Massen-Ding. Wenn man da Impulse gibt, zieht das gleich viel weitere Kreise auf der Tanzfläche also z.B. bei Rockmusik.

R: Danke und bis heute Abend!

words by Bernhard Ranner/Crowdstrudel

Dieses Interview ist in Kurzfassung in Ausgabe 10 nachzulesen. Ausgabe 10 hat eine exklusive MixCD von Lifted Music als Beilage und kostet 4,5€ – Jetzt via hier bestellen

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