Producing with... Bass Tikal
Ich werde beschreiben, wie mein Ablauf im Studio aussieht. Im ersten Teil bekommt ihr einen Einblick in die Vorbereitungen und Grundvoraussetzungen zur Produktion eines Songs bis hin zu einem fertigen arrangierfähigen Loop. Wir steigen in den produktiven Prozess ein und schauen, welche verschiedenen Möglichkeiten bestehen, an einen Song heranzugehen. Wenn das Song-Fundament liegt, gehen wir weiter in die Entstehung der ersten Grooves, die Programmierung der Drums sowie die Auswahl von weiteren Instrumenten und Samples.
In Ausgabe sechs gehen wir dann durch den zweiten Teil des Produktionsprozesses: Die Feinarbeit an den Sounds, das komplette Arrangement sowie das finale Abmischen und Erstellen eines einsetzbaren Premasters.
Vorbereitungen
Der Sequencer
Bevor man sich an den eigenen Song macht, ist es zwingend nötig sich zu entscheiden, welche Werkzeuge man benutzen möchte. Hier spielt natürlich auch der finanzielle Rahmen eine Rolle. Doch da es von fast allen Softwareherstellern kostenlose Demo-Versionen gibt, kann man sich hier ein gutes Bild machen, welche Werkzeuge einem zusagen. Die eigentliche Musikproduktion findet in einem Sequencer-Programm statt. Die aktuell populärsten Sequencer sind Steinbergs Cubase SX3, Apples Logic 7.2 sowie Propellerheads Reason3 (Tipp: Von fast von allen Herstellern gibt es gute Vergünstigungen für Studenten). In meinem Fall hat sich die Arbeit mit Logic als die beste herausgestellt. Anfangs habe ich mit Reason und Cubase meine Erfahrungen gesammelt doch letztendlich festgestellt, dass der Workflow und die Struktur von Logic mir am ehesten zusagen. Angefangen habe ich mit Logic 5.3 auf PC und habe dieses Jahr komplett auf Mac umgestellt. Momentan arbeite ich mit einem Powermac G5 und Apple Logic 7.2.
Die Instrumente
Alle Sequencer enthalten neben der Arrangement- und Mixingfunktion eine Vielzahl von eigenen Instrumenten zur Klangerstellung oder Samplebenutzung und können auf individuellen Wunsch um weitere Instrumente und Effekte ergänzt werden. Ich habe mir das Softwarepaket Komplete3 von Native Instruments zugelegt, welches meiner Meinung nach keine Wünsche nach weiteren Instrumenten offen lässt. Es enthält Battery2, Kontakt2, Absynth3, Fm7, Pro-53, Spektral Delay, Guitar Rig2, B4II, Reaktor 5, Vokator, Elektrik Piano, Kompakt und Intakt. Von diesen sind bei mir hauptsächlich und eigentlich in jedem Song Kontakt, Battery, Absynth, B4II und Elektrik Piano im Einsatz. Um die unüberschaubare Menge an möglichen Sounds dieser Instrumente in den Griff zu kriegen und mit dem Hintergrund, dass ich neben den Drum’n’Bass-Songs auch Sounddesign für Werbung, Games und mehr mache, habe ich mir zur Verwaltung der Native Instruments Palette die Hard- und Softwarekombination „Kore“ zugelegt. Diese erlaubt einen schnellen und nach diversen Kategorien vorsortierten Zugriff auf alle Native Instruments-Sounds, unabhängig davon, von welchem Instrument sie erzeugt werden. Weiterhin benutze ich häufig die Logic internen Instrumente wie ES1/ES2, ESM, EVP88 usw. sowie die Logic internen Effekte und EQs.
Die Samples
Neben dem Sequencer ist gerade im D’n’B-Bereich ein gutes Samplearchiv elementar. Hier legt sich jeder Produzent seine direkt benutzbaren Sounds ab. In der Vielzahl der Samples die sich mit der Zeit ansammeln ist es besonders wichtig, eine feste Struktur einzuhalten, um nicht den Überblick zu verlieren. Denn in der kreativen Phase ist nichts störender, als die lange Suche nach einem bestimmten Sound. Apropos kreative Phase – starten wir im Produktionsprozess.
Die Idee / Der Anfang
Es gibt diverse Ausgangssituationen, aus denen ein Song entstehen kann. In einigen Fällen liegt eine konkrete Idee (Harmonie, Bassverlauf, Sound, Vocals oder ahnliches) vor, die als Grundlage zur Produktion benutzt wird. Die andere Möglichkeit, die bei mir am häufigsten eintritt, ist einfach die Motivation, einen neuen Song zu schreiben, ohne eine spezielle Idee im Hinterkopf zu haben. In diesem Fall beginne ich oft einfach damit, einen Beat zu programmieren, auf den dann die kreative Phase, das Herumspielen mit Sounds, Harmonien und Samples aufbaut. Diese Variante nehmen wir als Beispiel für die Reise durch die Song-Produktion.
Erste Grooves und Entwürfe
Wie sieht also konkret die Arbeit an einem neuen Song aus? Zu Beginn öffne ich in Logic einen leeren Preference-Song, welchen ich mir speziell für den Start eines neuen Songs erstellt habe. In ihm sind die grundlegenden Einstellungen vorkonfiguriert, wie zum Beispiel die Voreinstellung der Spuren (10x Audio, 10x AudioInstrument) und die Tastaturkommandos. Die Audiospuren dienen der direkten Verwendungen von Samples und Loops. Den Audio-Instrument-Spuren werden die virtuellen Instrumente wie Battery, Kontakt, ES2 und so weiter. zugewiesen, die später mit Midi-Noten gefüttert werden. Über die Transportkontrolle vergebe ich vorab ein Song-Tempo, welches sich nach Lust und Laune und im Einzelfall auch nach Geschwindigkeit der Ausgangssamples meist zwischen 170 und 180bpm befindet.
Die Drums
Da ich mit den Drums starten will, weise ich der ersten Audio-Instrument-Spur das Instrument „Battery“ zu. Mit diesem programmiere ich den Grundbeat, bestehend aus den prägnantesten und wichtigsten Drum-Elementen wie Basskick, Snare, HiHats und Percussions. Batterys Oberfläche bietet drei grundlegende Ansichten: die Master-Section, die Drum/Sample-Matrix und das Edit-Fenster. In der Mastersection können aus einem Dateibrowser einzelne Samples oder komplette Drumkits geladen werden sowie grundlegende Einstellungen wie Mastervolume, Ausgangspegel und so weiter. vorgenommen werden. In der Drum/Sample-Matrix werden die einzelnen Drum-Samples auf insgesamt bis zu 72 Zellen abgelegt. Die Zellen füllen sich recht schnell, da ichbeispielsweise für den fertigen Basskick mehrere einzelne Kicks übereinander lege (Layering). Um später bei den Feineinstellungen und dem Abmischen komfortabler und genauer arbeiten zu können, gebe ich alle Zellen, auf denen die einzelnen Basskicks liegen, über einen Output aus, der wiederum eine Spur im Logic-Sequencer einnimmt. Selbiges passiert mit der Snare, die ebenfalls aus mehreren einzelnen Snare-Samples besteht. Das Layering bei Kick und Snare erfordert viel Übung und Gespür, um herauszufinden, welche Kombination aus einzelnen Samples das gewünschte Ergebnis ergibt: einen druckvollen, warmen Punch. Grundlegend ist zu empfehlen, in der Auswahl der Kicks und Snares darauf zu achten, Samples zu nehmen, die in ihrem Klangbild sehr unterschiedlich sind. 1-2 Kicks/Snares, die im unteren Bassfrequenzbereich ordentlich drücken, weitere, die in den Mitten stark sind sowie 1-2 Kicks/Snares, die die hohen Frequenzen gut abdecken. Ist das Layering der Kicks und Snares abgeschlossen, wähle ich die weiteren Drum-Elemente wie HiHats und Percussions aus und verteile sie auf die einzelnen Zellen. Diese gebe ich als Gruppen auf einzelne Spuren im Sequencer aus. So bilden die verschiedenen HiHats, Percussions, Effects und so weiter jeweils eine eigene Spur, um sie später leichter EQen und abmischen zu können. In der dritten Oberfläche, dem Edit-Fenster, können die Samples individuell bearbeitet werden. Dort lege ich beispielsweise die Sample-Länge, Tonhöhe, Lautstärke, Amplituden- und Pitchhüllkurven und weitere Parameter fest. Sind nun alle Samples optimal editiert und den richtigen Spuren im Sequencer zugewiesen, kann mit dem Programmieren des Grooves begonnen werden. Der Logic Sequencer bietet für seine einzelnen Spuren einen entsprechenden Drum-Editor (Matrix), in dem die Midi-Noten gesetzt werden. Battery übergibt die einzelnen Samples als Noten aufsteigend von C1 an den Sequencer. Somit öffne ich also für die verschiedenen Spuren (Kick, Snare, HiHats usw.) jeweils einen Drum-Editor, setze die Midi-Noten in der gewünschten Anordnung und spiele das Ergebnis in einem Loop über einen kleinen Bereich ab, um das Ergebnis anzuhören und direkt editieren zu können. Ist der Grundbeat fertiggestellt, begebe ich mich in die Tiefen meines Samplearchivs um noch weitere Loops zu finden, die meinen Grundbeat sinnvoll ergänzen. Diese Loops lade ich in einzelne Audiospuren. Sofern es sich um Rex-Files (mit ReCycle erstellte Loops) handelt, werden sie automatisch dem Logic-Songtempo angepasst. Sonstige Loops müssen über den Sample-Editor von Logic in das richtige Tempo gebracht werden. Hierfür bietet die Logic Time&Pitch Machine alle nötigen Werkzeuge. So setze ich diverse Loops hinter den Ausgangsbeat, welche dann in der Summe einen schönen, rollenden Gesamt-Groove ergeben.
Die Grundidee / Harmonien
Die Bassline
An dieser Stelle beginnt der kreativste Teil in der Entstehung des Songs. In den meisten Fällen folgt nach der Fertigstellung der Drums der zweite wichtigste Bereich im Drum’n’Bass. Na, welcher könnte das sein? Richtig. Der Bass. Zur Findung einer Grundharmonie oder Charakteristik des Songs durchforste ich erneut mein Samplearchiv. Sollte mir vorher schon eine Melodie im Kopf herumschwirren, beginne ich direkt damit, diese vorerst über einen beliebigen Preset-Sound mit Hilfe des Midi-Keyboards einzuspielen. Hierfür öffne ich in der Regel den Logic Synthesizer ES2 auf einer Audio-Instrument-Spur und starte über die Transportkontrolle des Sequencers die Aufnahme. Nach der Aufnahme korrigiere ich kleine Timing-Fehler beim Einspielen über die Quantisierung. Wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, begebe ich mich meist über die Kore-Oberfläche auf die Suche nach einem passenden Bass-Sample, während die eingespielte Bass-Harmonie im Loop läuft. Der ausgewählte Sound wird dann in dem entsprechenden Instrument wie gewünscht editiert (Filtereinstellungen, Wellenform der Oszillatoren, Attack, Delay usw.). Bei Bedarf lege ich hier bereits einen Logic-Effekt wie Distortion, Reverb, Delay und so weiter auf die Spur. Oftmals nehme ich auch direkt die Modulation der Bassline vor. Dieses passiert über das Einzeichnen einer Automation des Synthesizers im Arrangement-Fenster. Hierzu wird per Tastenkombination die Automationsanzeige der ausgewählten Spur geöffnet. Dort wähle ich dann den zu automatisierenden Parameter aus (im Fall der Bassline häufig der CutOff-Filter) und zeichne ihn mit dem Zeichenwerkzeug ein. Ist die Midrange-Bassline fertig, suche ich anschließend nach einem geeigneten Subbass, den ich dann wieder als eigene Spur passend unter die Bassline spiele. Hierfür benutze ich häufig Subbass-Presets aus Kontakt oder dem ES2.
*Die Hookline *
Wenn ich mit der Bassline zufrieden bin und sie gut auf die Drums passt, geht es weiter auf der Suche nach Samples oder Sounds, um den nächsten wichtigen Aspekt des Songs zu finden: eine charakteristische Harmonie oder Hookline. Wenn ich einen etwas softeren Song mache, jamme ich an dieser Stelle gerne mit der B4II Orgel oder dem Elektrik Piano von Native Instruments. Diese beiden Instrumente klingen von sich aus so überzeugend, dass ich dort eigentlich immer fündig werde. Möchte ich einen härteren Song machen, spiele ich meist mit einigen Synthesizern oder begebe mich auf die Soundsuche mit Kore. Auch die große, mitgelieferte Kontakt-Datenbank liefert oft eine Vielzahl an guten Sounds, die in Frage kommen. Neben den eigens eingespielten Ideen kann natürlich auch ein einzelner Sample oder ein Sample-Loop als Grundlage für die Harmonie des Songs dienen. Solch ein Sample kann ein Gitarrenriff, ein Vocal-Sample, ein Loop von einer alten Funk-Scheibe oder ahnliches sein. Diese schneide ich im Logic Sample-Editor sauber zurecht und bringe sie mit der Time&Pitch Machine in das Master-Tempo des Songs.
Weitere Sounds
So geht es also nach und nach an das Finden harmonischer Samples und Sounds, bis sich der Songausschnitt füllt und einen warmen, vollen Gesamtsound ergibt. In dieser Form fülle ich einen meist 16-32 Bars langen Loop, der in der Regel den Teil des Drops im Song annimmt, da dies der Moment in einem Drum’n’Bass-Song ist, der über Gefallen oder Nichtgefallen der Zuhörer entscheidet. Um spätere Arrangementvariationen anzutesten und vorzufühlen, schalte ich im Loop abwechselnd einige Spuren auf Mute oder Solo, um zu sehen, wie der Song ohne diese Spur funktioniert oder ob einige Spuren alleinstehend gut klingen. Ist also ein vorläufig zufriedenstellendes Ergebnis erreicht, kann es an das Arrangieren des Songs gehen.
Mit diesem Schritt machen wir in der nächsten Ausgabe weiter, in der es dann auch detaillierte Hörproben ins tiefste Innere eines Beispiels-Songs gibt, der in der hier beschriebenen Art und Weise entstanden ist.
Equipment: Powermac G5 Dualcore 2×2Ghz mit 1,5GB RAM, 160GB Festplatte Soundkarte: M-Audio Audiophile Firewire Midi-Keyboard Monitoring: Yamaha HS-80M Kore Hardware Interface Software: Apple Logic Pro 7.2, Native Instruments Komplete 3, Native Instruments Kore
www.myspace.com/basstikal
www.phunkfiction.com
www.dieklangboten.com
words by Sebastian Wolters
fotos: artist own



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Kommentare:
Aug 8, 13:17
Finde ich gut das hier die Grundlagen des Producings gezeigt werden. Ich konnte mir jetzt nur einige, wenige Tipps herausziehen, weil ich selbst schon ziemlich lange D&B mache, aber der ein oder andere kann sicher noch mehr damit anfangen. Weiter so!!!
MfG Daniel
Aug 22, 17:15
Go back
switch back
to the generation
to the revolucion
Go back
swing back
to the revelation
to the innovation
it’s One vibe one world one shot
Drop back
Flow back
to the reality
to the rapsody
Time running
icebergs burning
I’m visionary
visionary the scrary
do you know rapper’re high
so high I dont like Drum’n‘bass
I love it. where is the Love?